HAN
SHAN SZI : Hans Zimmermann : 12 KÖRBE:
Quellen zum Thema "Schöpfung" und zum Weltbild der Antike
: Protagoras-Paradoxon
Das Protagoras-Paradoxon
Das Antistrephon (argumentum
reciprocum) des Protagoras (bei Diogenes Laertios IX, 56),
ausgeführt von Aulus Gellius (Noctes Atticae V, 10)
Diogenes Laertios IX, 56:
legetai de pot auton apaitounta
ton misqon Euaqlon ton maqhthn,
ekeinou eipontoV all oudepw
nikhn nenikhka
eipein all egw men an nikhsw,
oti egw enikhsa, labein
me dei:
ean de su,
legetai de pot‘ auton apaitounta ton misthon
Euathlon ton mathêtên,
ekeinou eipontos „all‘ oudepô nikên
nenikêka“
eipein „all‘ egô men an nikêsô,
hoti egô enikêsa, labein me dei:
ean de su,
Es wird erzählt, daß er einst, als er von seinem Schüler
Euathlos Bezahlung forderte,
als der sagte "Aber ich habe noch keinen Prozeß gewonnen"
dem erwiderte: Aber ich werde den Prozeß gewinnen,
und weil ich ihn gewinne, muß ich bezahlt werden;
wenn du aber (siegst, mußt du zahlen),
eben weil du (den Prozeß gewonnen hast)."
Aulus Gellius (Noctes Atticae V, 10):
De argumentis quae Graece antistrefonta
appellantur,
a nobis “reciproca” dici possunt.
Über die Beweise, die auf Griechisch „rückbezügliche“
heißen,
die auf Latein „argumenta reciproca“
genannt werden können.
[1] INTER vitia argumentorum longe maximum esse vitium
videtur
quae antistrefonta
Graeci dicunt.
Unter den fehlschlüssigen Beweisen scheint der im Extrem fehlschlüssigste
der folgende zu sein,
– die Griechen nennen solche Fehlschlüsse „rückbezügliche
“.
[2] Ea quidam e nostris non hercle nimis absurde
“reciproca” appellaverunt.
Einige von den Unsrigen haben diese – beim Hercules! nicht allzu
unpassend –
„reziproke Beweise“ genannt.
[3] Id autem vitium accidit hoc modo,
cum argumentum propositum referri contra
convertique in eum potest
a quo dictum est,
et utrimque pariter valet;
quale est pervolgatum illud
quo Protagoram, sophistarum acerrimum,
usum esse ferunt adversus Euathlum, discipulum
suum.
Der entsprechende Fehlschluß kommt auf die Weise zustande,
daß der vorgebrachte Beweis zurückgespiegelt
und wie eine Selbst-Widerlegung gegen eben den gewendet werden kann,
von dem er vorgebracht worden ist,
und in beiden, der Bejahungs- wie der Widerlegungs-Richtung, als
richtig gilt;
so ein Beweis ist jener überall bekannte,
den Protagoras, der scharfsinnigste der Sophisten,
gegen seinen Schüler Euathlos geführt haben soll.
[4] Lis namque inter eos et controversia
super pacta mercede haec fuit.
Denn ein Streit, eine Kontroverse
brach zwischen ihnen aus über die vereinbarte Unterrichts-Entlohnung.
[5] Euathlus, adulescens dives, eloquentiae discendae
causarumque orandi cupiens fuit.
Euathlos, ein reicher Jüngling, war ganz begierig darauf, Beredsamkeit
erlernen
und vor Gericht Anwaltsreden zu halten.
[6] Is in disciplinam Protagorae sese dedit
daturumque promisit mercedem grandem pecuniam,
quantam Protagoras petiverat,
dimidiumque eius dedit iam tunc statim priusquam
disceret,
pepigitque ut reliquum dimidium daret
quo primo die causam apud iudices orasset
et vicisset.
Er meldete sich in der Schule des Protagoras an
und versprach, er werde die große Geldsumme zahlen, die Protagoras
gefordert hatte,
und er er zahlte davon eine Hälfte damals schon vor seiner
Ausbildung,
und er vereinbarte, die restliche Hälfte
an dem ersten Tag zu zahlen, an dem er vor Gericht einen Fall als
Anwalt vertreten
und gewinnen würde.
[7] Postea cum diutule auditor adsectatorque
Protagorae fuisset
et in studio quidem facundiae abunde promovisset,
causas tamen non reciperet tempusque iam longum
transcurreret
et facere id videretur, ne relicum mercedis daret,
capit consilium Protagoras,
Später aber, als er schon lange Hörer und Gefolgsmann des
Protagoras gewesen war
und im Studium der Rhetorik gute Fortschritte gemacht hatte,
und als er doch keine Fälle zur Verteidigung annahm und schon
eine lange Zeit verstreichen ließ,
ja darauf aus zu sein schien, die restliche Entlohnung nicht zahlen
zu wollen,
faßt Protagoras einen Plan,
[8] ut tum existimabat, astutum;
petere institit ex pacto mercedem,
litem cum Euathlo contestatur.
und zwar einen schlauen, wie er damals glaubte;
er beschließt, die Entlohnung gemäß der Vereinbarung
einzuklagen,
er beginnt einen Rechtsstreit mit Euathlos.
[9] Et cum ad iudices coniciendae consistendaeque
causae gratia venissent,
tum Protagoras sic exorsus est:
“Disce,” inquit, “stultissime adulescens,
utroque id modo fore uti reddas quod peto,
sive contra te pronuntiatum erit
sive pro te.
Und als sie vor Gericht traten, um ihre Sache zu verhandeln und zu
begründen,
begann Protagoras mit folgender Argumentation:
„Lerne, du strohdummer Junge,
daß von beiden Seiten her gelten wird, daß du mir zahlen
mußt, was ich einfordere,
sei es in dem Fall, daß der Rechtspruch gegen dich ausfällt,
sei es, daß er für dich ausfällt.
[10] Nam si contra te lis data erit,
merces mihi ex sententia debebitur, quia ego
vicero;
sin vero secundum te iudicatum erit,
merces mihi ex pacto debebitur, quia tu viceris.”
Denn wenn der Streit gegen dich entschieden werden sollte,
schuldest du mir die Entlohnung aufgrund des Richterspruchs, weil ich
rechtbekomme;
wenn das Urteil aber zu deinen Gunsten ausfallen sollte,
schuldest du mir die Entlohnung aufgrund unseres Vertrags, weil du
deinen Prozeß gewonnen hast.“
[11] Ad ea respondit Euathlus:
“Potui,” inquit, “huic tuae tam ancipiti captioni
isse obviam,
si verba non ipse facerem atque alio patrono
uterer.
Darauf antwortete Euathlos:
“Ich hätte dieser deiner Doppelwiderlegung ausweichen können,
wenn ich nicht selbst mich verbal geäußert hätte und
einen anderen als Anwalt vorgeschoben hätte.
[12] Sed maius mihi in ista victoria prolubium
est,
cum te non in causa tantum,
sed in argumento quoque isto vinco.
Aber ich finde größeren Gefallen an diesem Sieg,
sofern ich dich nicht nur in dieser Rechtssache,
sondern auch im logischen Selbstbezug eben dieses deines Beweises besiege.
[13] Disce igitur tu quoque, magister sapientissime,
utroque modo fore uti non reddam quod petis,
sive contra me pronuntiatum fuerit
sive pro me.
Lerne folglich auch du, mein weisester Lehrer,
daß von beiden Seiten her gelten wird, daß ich dir nicht
zahlen muß, was du einforderst,
sei es in dem Fall, daß der Rechtspruch gegen mich ausfällt,
sei es, daß er für mich ausfällt.
[14] Nam si iudices pro causa mea senserint,
nihil tibi ex sententia debebitur, quia ego vicero;
sin contra me pronuntiaverint,
nihil tibi ex pacto debebo, quia non vicero.”
Denn wenn die Richter für meine Sache stimmen,
schulde ich dir aufgrund des Richterspruchs nichts, weil ich den Prozeß
gewonnen habe;
wenn ihr Spruch aber gegen mich ausfällt,
schulde ich dir nichts aufgrund unserer Vereinbarung, weil ich dann
noch keinen Prozeß gewonnen habe.
[15] Tum iudices,
dubiosum hoc inexplicabileque esse quod utrimque
dicebatur rati,
ne sententia sua, utramcumque in partem dicta
esset, ipsa sese rescinderet,
rem iniudicatam reliquerunt causamque in diem
longissimam distulerunt.
Da ließen die Richter den Fall unentschieden,
denn er sei zweifelhaft und unauflöslich, weil der Beweis für
beide Seiten logisch gleich gelte,
und damit ihr Richterspruch nicht sich selbst aufhebe, indem er beiden
Parteien zugleich recht gebe,
verschoben sie das Urteil in dieser Sache auf den Sanktnimmerleinstag.
[16] Sic ab adulescente discipulo magister eloquentiae
inclutus
suo sibi argumento confutatus est
et captionis versute excogitatae frustratus fuit.
So wurde der berühmte Rhetoriklehrer von einem jugendlichen Schüler
durch seinen eigenen Beweis widerlegt
und in einer klug durchdachten Winwin-Strategie zum Verlierer gemacht.
maurische
Architektur in Andalusien :
Moschee in Cordoba : Alhambra
in Granada
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Kuppel
im Saal der zwei Schwestern * Fayencen-Mosaikenwände
mit
geometrisierenden Flechtbändern
Ethik:
Philosophie/ Religion
* inter nodos – Latein/ Griechisch
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